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DECHEMA e.V.
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30.03.2004
Kontakt/Contact:
Dr. Christina Hirche
Tel. ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 77
Fax ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 72
e-Mail:

Hoher Bedarf an Analysegeräten und Labortechnik in China

·        Der Marktwert für Analyse- und Laborausrüstungen steigt bis 2005 voraussichtlich auf 1,3 Mrd. USD.

·        Für High-Tech-Geräte besteht großer Importbedarf.

·        Zahlreiche Hersteller von Labortechnik und prozessintegrierten Analysegeräten präsentieren sich auf der ACHEMASIA 2004.

 

Analytische Instrumente werden in vielen industriellen Bereichen, besonders in der Medizin und  Umweltanalytik benötigt. In China verfügt man zwar über jahrelange Erfahrung in der Herstellung von Geräten, jedoch ist der technologische Standard eher niedrig. Der Markt für Analyse- und Laborgeräte ist erst in jüngster Zeit gewachsen. China exportiert in dieser Sparte kaum Geräte und muß nahezu alle Ausrüstungen mit High-Tech-Anspruch importieren. Die chinesischen Hersteller versuchen, so dynamisch und wettbewerbsfähig wie möglich zu handeln, sind jedoch meist zu klein, um innovative, neue Produkte zu entwickeln. Ein realistisches, langfristiges Ziel für China besteht darin, zu einem führenden Exportland für Low-Tech und Mid-Tech-Produkte zu werden.

 

Auf der 6. ACHEMASIA vom 11. - 15. Mai 2004 in Beijing werden die neusten Entwicklungen prozessintegrierter Analyse- und Laborgeräte präsentiert. Die begleitende wissenschaftliche Konferenz und die Business Meetings bieten Ausstellern und Besuchern die Möglichkeiten, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

 

Entscheidend für den Fortschritt in der Analytik ist wie in allen Bereichen die wissenschaftliche Forschung. So erhielten 27 aller Nobelpreisträger im 20. Jahrhundert Ihre Auszeichnung für Fortschritte auf den Gebieten der Mess- und Analysentechnik. Allein  im vergangenen Jahr wurden für herausragende Ergebnisse in der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) drei Nobelpreise vergeben.

 

Das rapide industrielle Wachstum in China wirkte sich auch auf den Markt für analytische Instrumente aus. Die Umsätze für analytische Instrumente beliefen sich im Jahr 1998 in China auf etwa 680 Mio. USD. Für das Jahr 2005 ist ein Umsatz in Höhe von 1,3 Mrd. USD prognostiziert. Die Anzahl der im Analytik-Bereich beschäftigten Personen beläuft sich derzeit auf 40.000, noch vor zwei Jahren waren nur etwa die Hälfte angestellt. Etwa 50 Prozent der Analytikspezialisten meinen, dass sie dringend neue Geräte benötigen, und ein Viertel der Unternehmen planten die Errichtung neuer analytischer Labors.

 

Um der wachsenden Nachfrage in China gerecht zu werden, expandieren die Unternehmen für analytische Geräte und steigern ihre Produktion. In den vergangenen Jahrzehnten belief sich der Umsatz in diesem Bereich auf nur 200 - 300 Mio. RMB pro Jahr. Bis zum Jahr 2001 waren die Umsätze nach Angaben der Chinesischen Akademie für analytische Geräte auf etwa 800 Mio. RMB gestiegen. Die Akademie schätzt, dass derzeit 144 chinesische Unternehmen analytische Instrumente fertigen, darunter 20 Unternehmen mit jeweils einem Umsatz von mehr als 10 Mio. RMB. Der Chinesische Apparate- und Instrumenten-Verband schätzt die Zahl der Unternehmen auf 117 und den Gesamtumsatz auf 2,3 Mrd. RMB. Diese Differenz zwischen den Schätzungen der beiden Verbände ist auf Unterschiede in der Klassifizierung sowie auf die unterschiedlichen Datenerfassungsmethoden zurückzuführen.

 

Trotz dieses Wachstums hinkt Chinas Analytik- und Labor-Industrie im weltweiten Vergleich hinterher. Vom Weltmarkt mit einem Volumen von 23,9 Mrd. USD im Jahr 2001 importierte China Gerätetechnik im Wert von 700 Mio. USD. Der Umsatz der in China hergestellten Geräte belief sich auf lediglich 70 Mio. USD. Chinas Exporte in diesem Bereich beliefen sich im Jahr 2001 auf nur 1,5 Mio. USD, wobei die meisten davon Low-Tech-Produkte waren. In China muss intensiv geforscht und entwickelt werden, um auf dem Weltmarkt für Analysetechnik konkurrenzfähig sein werden.

 

Der Import von Technologien ist der erste Schritt, durch den sich die Analytik-Industrie in China aus ihrer Isolation vom internationalen Markt lösen kann. Die importierten Geräte schließen die Lücke der inländischen Produktion und fördern die Entwicklung neuer hochleistungsfähiger chinesischer Produkte. Von den importierten Instrumente lernte man neue Technologien kennen und entwickelte selbst neue Produkte

 

 

Aktuelle Struktur der Industrie

Die Vielfalt der Instrumententypen, der Integrationsgrad sowie die Leistungsfähigkeit haben dank Mikroelektronik und Computertechnologie zugenommen. Tabelle 1 zeigt die aktuellen Anwendungsbereiche und -arten.

 

Noch vor fünfzig Jahren war dieser Industriezweig von nationalen Hersteller dominiert, inzwischen finden sich auch Aktiengesellschaften und Privatunternehmen. Diese positive Entwicklung zieht zahlreiche Spezialisten aus Elektronik, Computerwissenschaften, Verfahrenstechnik, Landwirtschaft, Medizin und Biologie an und es entsteht daraus ein enormes Innovationspotential.

 

Tabelle 1:       Aufgliederung der chinesischen Industrie für analytische Instrumente

Anwendungsbereich

Gerätetyp

Anzahl
Gerätetypen

Anzahl

Herstellungs-betriebe

Elektrochemische

Analyse

Leitfähigkeit

39

9

Elektrochemisches Potential

102

17

Elektrolyse

22

13

Polarographie

9

9

Titration

9

9

Thermochemische Analyse

Pyroleitfähigkeit

37

6

Thermochemie

23

6

Thermische Differenz

15

3

Paramagnetische Analyse

Sauerstoffanalyse

23

3

Chromatographie

Gaschromatographie

51

8

Flüssigkeitschromatographie

15

7

Massenspektrometrie

 

21

4

Optische Analyse

Photoelektrische

Kolorimetrie

13

9

Photometer

8

5

FTIR

31

5

UV

11

7

Sonstige

19

11

Physikalische Analyse

Feuchtigkeits- und

Dichtemessung

34

 

Probenahmesysteme

 

46

 

Medizin und Biochemie

 

14

8

Datenverarbeitung

 

11

 

Sonstige Geräte, u. a. zur Messung der Luftverschmutzung,
Instrumente für Zementöfen und Düngemittelfabriken,
Rauchgasanalysatoren sowie Zechengasanalysatoren

13

3

 

Zu den 20 Top-Unternehmen mit Umsätzen größer 10 Mio. RMB gehören 14 Privatunternehmen und Aktiengesellschaften. Unter den erfolgreichen Privatunternehmen finden sich die drei Instrumentenhersteller Dongxi, Puxi und Jitian aus Peking, die ihre eigene F&E betreiben und Shanghai Spectrum Apparatus, die die Mehrzahl ihrer Produkte exportieren. Einige Unternehmen haben durch innovative Technologien neue Bereiche in der Verarbeitungs- und Umweltindustrie erschlossen, einige folgen dem Trend der internationalen Märkte und beginnen, von der Life Science und Umweltwissenschaft zu profitieren. Daneben decken andere die Nachfrage nach analytischen Geräten und füllen inländische Marktlücken.

 

Ausländische Unternehmen haben ebenfalls Chinas Potential als Herstellerland für analytische Instrumente erkannt. Eines der ersten Unternehmen war Hewlett-Packard. Diese gründeten ein Werk in Shenzhen, das sich zu Anjielun Science and Technology Ltd. (Shanghai) weiter entwickelte, und stellten ein im ausländischen Besitz befindliches Werk in Pudong, Shanghai, fertig. Das japanische Unternehmen Daojin hat ein Werk für Chromatographiegeräte in Suzhou errichtet, und sowohl Dasibi (USA) als auch Caisi (Deutschland) lassen in China herstellen.

 

 

Herausforderungen für das 21. Jahrhundert

Verschiedene Faktoren beeinflussen den Analytik-Markt:

Chinas Mitgliedschaft in der WTO - nach 13-jähriger Verhandlungsphase - bedeutet, dass sich die chinesischen Gerätehersteller nicht mehr länger hinter Einfuhrzöllen verstecken können. Preise, Leistungen und Qualität müssen mit denen ausländischer Hersteller mithalten, wenn die chinesischen Unternehmen erfolgreich sein wollen. Die moderne Kommunikationstechnik hat Grenzen zwischen Ländern und Märkten aufgelöst, und bekannte Unternehmen wie etwa IBM, Microsoft, Siemens, Anjielun (Agilent) und Daojin haben sich durch Investitionen in China zusammengefunden.

 

Zu den Begleiterscheinungen des industriellen Wachstums in China gehört die zunehmende Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung, die jedoch mittlerweile ins Blickfeld von Politik gerückt ist und den Markt für Analysegeräte und Laborausrüstungen ankurbelt. Das Wachstum der Lebensmittel- und Medizinbranche und nicht zuletzt der Ausbruch von SARS im Jahr 2003 stellen ebenfalls neue Anforderungen an die analytischen Geräte. Als Ergebnis der in Life Science und Biochemie erzielten Fortschritte werden zahlreiche Projekte mit einem Volumen von mehreren Hundert Millionen Dollar in den Bereichen Gentechnik, Proteinenzyme, Biomembranen und Bio-Chips umgesetzt.

 

 

Marktaussichten

Die jährlichen Wachstumsprognosen bis zum Jahr 2005 für die Pharmaindustrie (+16%), für F&E in der Wissenschaft und in der Industrie (+13%) und auch für den Umweltschutz (+9%) werden durch eine ähnlich große Nachfrage nach analytischen Geräten und Anwendungen ergänzt. Das Marktvolumen für diagnostische, analytische und bioanalytische Instrumente und Apparate wird von etwa 680 USD im Jahr 1998 auf 1,332 Mrd. USD im Jahr 2005 steigen. Fast 50% hiervon machen Biotech- und Life Science-Anwendungen aus. Darüber hinaus besteht eine enorme Nachfrage nach prozessintegrierten Geräten und Analyseverfahren in der chemischen Industrie, um den Anforderungen der Prozesssteuerung, der Produktqualität und Sicherheit zu entsprechen.

 

Nach einem US-amerikanischen Bericht beläuft sich das Volumen des US-Marktes für Analysetechnik auf 21,7 Mrd. USD pro Jahr. Die Nachfrage nach vielen Instrumententypen steigt um jährlich 5 -10%. Dabei ist festzustellen, dass der Markt für Gaschromatographie und die Atomabsorptionsspektroskopie zwar jährlich um 5% schrumpft, jedoch immer noch ein Volumen 1 Mrd. USD aufweist. In weniger industrialisierten Ländern wie beispielsweise China ist die Nachfrage nach älteren Technologien wie etwa der Gaschromatographie, Flüssigkeitschromatographie und Atomabsorptionsspektroskopie immer noch hoch. Mit einem niedrigen Technologiestandard können chinesischen Hersteller dies nutzen und zuerst die Inlandsnachfrage decken, um danach zum weltweit führenden Exporteur von analytischen Low-Tech- und Middle-Tech-Instrumenten zu werden. Diesen Weg beschritten bereits erfolgreich chinesische Hersteller von Unterhaltungselektronik, die die richtige Kombination aus Technologie, Qualität und Preis nutzen, um mit importierten Gütern zu konkurrieren.

 

Die Automatisierungs- und Kommunikationstechnologie beeinflussen die Entwicklung analytischer Instrumente und Messsysteme wie Laborinformationsmanagementsysteme (LIMS) oder die Steuerung von Verfahrensanlagen. Die Mikroelektronik trägt nicht nur zur Entwicklung von immer kompakteren und intelligenteren Instrumenten bei, sondern führt wie am Beispiel des „lab-on-a-chip“ für Biotech-Anwendungen sogar zu völlig neuartigen Geräten. In der Gentechnologie besteht in China ebenfalls ein erheblicher Entwicklungsbedarf an inländischen Geräten. Das Marktvolumen der Gen-Sequenzierung wird auf 500 Mio. USD pro Jahr geschätzt, und allein ein Drittel dieser Summe wird für Ausrüstungen ausgegeben. Der hohe Preis für solche importierten Ausrüstungen bremst die Life Science-Forschung in China.

 

Inzwischen ist das Bewusstsein für Umweltfragen in China unmittelbar mit Fragen der Gesundheit verbunden. Darin liegt eine Chance für die Analytik-Industrie. Das Volumen des Weltmarkts für Umweltüberwachungsausrüstungen wird auf 2,5 Mrd. USD geschätzt. In China produzierte Geräte decken etwa 70% des inländischen Bedarfs an Luftüberwachungssystemen und 60% der Systeme zur Sicherung der Wasserqualität. Für relativ technologiearme Anwendungen genügen die in China produzierten Geräte, importiert werden müssen Gas- und Flüssigkeitsspektrometer für die Wasseranalyse, LIDAR und andere optische Techniken für die Überwachung der Luftverschmutzung, und Telemetriesysteme.

 

Prozessanalysatoren dienen dazu, Verschmutzungen an der Quelle zu verringern und Sicherheit, Zuverlässigkeit sowie Rentabilität zu erhöhen. Die weltweite Nachfrage nach prozessintegrierten Instrumenten beläuft sich auf rund 2,2 Mrd. USD pro Jahr, Derzeit können chinesischen Hersteller nur einen Bruchteil dieses Marktes beliefern.

 

Es bedarf einer strengen staatlichen Reglementierung und einer nationale Strategie, um die vereinbarten Handelsvorschriften umzusetzen und mit Investitionen zu unterstützen sowie gleichzeitig den Wettbewerb zu fördern. Zudem ist eine Umstrukturierung der Industrie erforderlich. In den vergangenen zehn Jahren sind Hunderte neuer und dynamischer Unternehmen auf dem Markt für analytische Geräte entstanden. Viele dieser Unternehmen sind zu klein, um eine effektive F&E durchzuführen. Fusionen und Übernahmen können diesen Industriezweig effektiver machen.

 

Autoren

Zhu Liangyi, Wang Qichang, VR China

 

Die DECHEMA ist nicht verantwortlich für unvollständige oder falsche Informationen.

 

 

Weitere Informationen: www.achemasia.de


© DECHEMA e.V. 1995-2009, Last update am 15.07.2008 von Claudia Rinck