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DECHEMA e.V.
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E-Mail:
http://www.dechema.de

18.03.2004
Kontakt/Contact:
Dr. Christina Hirche
Tel. ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 77
Fax ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 72
e-Mail:

Hochreine Prozeßtechnik - eine Herausforderung für High-Tech-Industrien und ein riesiger Markt für Ausrüstungen und Technologien

·        Boomende Nachfrage nach Pharmazeutika und elektronischen Geräten in China erfordert Kapazitätserweiterungen für hochreine Fertigung

·        Investitionen, Kooperationen und ausländisches Know-How in China gefragt

·        Pharmazeutische Produktion und Reintechnologien - ein Schwerpunktthema der ACHEMASIA 2004 vom 11.-15. Mai in Beijing

 

Die hochreine Fertigung - wie sie für die Herstellung von Pharmazeutika, Halbleitern, Flüssigkristall-Displays und Nanomaterialien erforderlich ist - ist ein kostspieliges Geschäft. Und weil sowohl Anlagen als auch Ausrüstungen den höchsten Reinheitsnormen entsprechen müssen, wird der Kapitalaufwand zusätzlich gesteigert. Die in nahezu allen Fertigungsprozessen eingesetzten Flüssigkeiten, Chemikalien und Gase müssen praktisch frei von Verunreinigungen und von allen Partikeln sein. Die Schadstoff- und Partikelfreiheit wird bei einigen Verfahren sogar bis zu Teilchen pro Milliarde gefordert.

 

Ausrüstungen, Technologien und Know-How auf dem Gebiet der hochreinen Fertigung werden auch ein Schwerpunkt der 6. ACHEMASIA (Internationaler Ausstellungskrongreß für Chemische Technik und Biotechnologie) vom 11-. bis 15. Mai 2004 in Beijing sein. Die Ausstellung mit rund 400 internationalen Ausrüsterunternehmen, das wissenschaftliche Know-How im Kongreßprogramm und zahlreiche Business-Meetings bieten beste Voraussetzungen für die Anbahnung neuer Kontakte und Geschäftsbeziehungen. Rund 20.000 Fachbesucher werden zu dieser seit 1989 in China etablierten ACHEMASIA, die nach dem Vorbild der ACHEMA in Frankfurt am Main unter dem Motto „ACHEMA worldwide“ ausgerichtet ist, erwartet. 

 

Aber was hat China den Herstellern zu bieten, was die USA, Westeuropa und sogar Mexiko nicht bieten können? Die Antwort lautet: hochqualifizierte Arbeitskräfte zu geringen Lohnkosten. Die Aussicht, die Investitions- und Betriebskosten um mehr als die Hälfte zu reduzieren, hat viele internationale Unternehmen dazu bewegt, Bündnisse zu schließen und Herstellungsbetriebe in China zu errichten. Und im Rahmen seiner Aufnahme in die Welthandelsorganisation (Genf; Schweiz, www.wto.org) hat die chinesische Regierung zugestimmt, Ende 2004 den pharmazeutischen Sektor und andere wichtige Herstellungsbereiche für Auslandseigentümer zu öffnen.

 

Bei einer Bevölkerung von 1,2 Mrd. Menschen weist China einen durchschnittlichen Jahresverdienst auf, der laut der South China Morning Post (www.scmp.com) von 2.750 USD für Arbeiter im Kanton Guangzhou bis zu 1.150 USD in Chungking reicht. Zum Vergleich: In den USA liegt der Mindestlohn bei 5,15 USD pro Stunde oder 10.712 USD pro Jahr. Selbst Mexikos durchschnittlicher Stundenlohn von 3,52 USD entspricht einem Jahresverdienst von 7.322 USD, was 323% höher als die Löhne in Tianjin liegt, berichtet Chinafacturing Solutions LLC (Boulder, Colorado, und Tianjin, China; www.chinafacturingsolutions.com).

 

Selbst qualifizierte Chemiker und Verfahrenstechniker in China verdienen nur einen Bruchteil dessen, was ihre Kollegen in industrialisierten Ländern erhalten, und was ihren Arbeitgebern zu einem Wettbewerbsvorteil hinsichtlich der Preisstrategien insbesondere in frühzeitigen Kundenservicebeziehungen verhilft, so Enrico Polastro, Vizepräsident des Consulting-Unternehmens A.D. Little Benelux (Brüssel) vor Teilnehmern einer unlängst von Chemical Week durchgeführten Konferenz.

 

 

Entwicklung von Pharmaprodukten

 

China ist derzeit mit einem Umsatz von etwa 10 Mrd. USD/Jahr der weltweit siebtgrößte Hersteller von pharmazeutischen Inhaltsstoffen. Bei einem Umsatzwachstum von 8 bis 13% pro Jahr ist das Land auf dem besten Weg, bis zum Jahr 2010 mit einem Umsatz, der an die 15 Mrd. USD heranreichen wird, zum fünftgrößten Produzenten zu werden, berichtet Werner Heil, Vizevorsitzender des Bereichs Management Services und Strategie der Degussa AG (Düsseldorf, Germany; www.degussa.com).

 

Die Marktdaten zeigen, dass Chinas Pharmaproduzenten in der Mehrheit Massenpräparate wie zum Beispiel Schmerz- und Fiebermittel, Antibiotika, Corticoide und Vitamine herstellen, deren ursprünglicher Patentschutz abgelaufen ist. Da die Rentabilität in der pharmazeutischen Massenproduktion im Allgemeinen höher als bei industriellen Chemikalien ist, obwohl die Herstellungsverfahren ähnlich sind, gehen Branchenanalysten davon aus, dass die pharmazeutischen Massenprodukte bevorzugtes Produkt der Chemiekonzerne sein werden, die Betriebe in China errichten. Die Produktion von proprietären Arzneimitteln, die noch patentgeschützt sind, wird voraussichtlich zunehmen, wenn die gewerblichen Schutz- und Urheberrechte - wie von der WTO gefordert - durch die chinesische Regierung anerkannt und von ihr gewährleistet werden.

 

Chinas Herstellungskosten für Feinchemikalien betragen 40% der Herstellungskosten für entsprechende Chemikalien in den USA, sagte Werner Heil von der Degussa AG, und die Rentabilität der chinesischen Feinchemikalien-Produzenten ist bereits auf dem Stand ihrer amerikanischen und europäischen Kontrahenten. Die Nachfrage nach Feinchemikalien für Pharmaprodukte bleibt dagegen aller Voraussicht nach stark und wird noch weiter zunehmen.

 

 

Neuere Projekte in der Pharma- und Feinchemikalienproduktion in China, die unter Beteiligung multinationaler Unternehmen entstanden sind

 

Inbetriebnahme der weltweit ersten Industrieanlage für die Produktion von Epigallocatechin Gallate (EGCG), dem wichtigsten gesundheitsfördernden Inhaltsstoff im grünen Tee, durch Roche Fine Chemicals, Ltd. (Basel; www.roche-vitamins.com). Die Anlage mit einer Anfangskapazität von 40 Megatonnen/Jahr befindet sich in Gonglu, im neuen Geschäftsviertel Pudong, Shanghai 

 

·        National Starch and Chemical (Bridgewater, New Jersey; www.nationalstarch.com) schließt Spezialstärkeanlagen in Kanada und im Vereinigten Königreich, modernisiert Werke in den USA und in Deutschland und investiert 20 Mio. USD in eine neue Stärke-Modifizierungsanlage in Shanghai.

 

·        JFC Technologies (Bound Brook, New Jersey; www.jfctechnologies.com) hat den Bau eines der aktuellen guten Herstellungspraxis (current Good Manufacturing Practice (cGMP)) entsprechenden Werks in Ningbo, China, zur Produktion von großtechnischen APIs begonnen. Die Anlage, deren Fertigstellung für das zweite Quartal 2005 geplant ist, wird über eine Kapazität von bis zu 1.500 Gallonen verfügen. Etwa 30% der Kapazität des Werks in Ningbo ist für einen einzigen Kunden reserviert.

 

·        Der Pharmahändler Zuellig Pharma (Manila, Philippinen; www.zuelligpharma.com) und das staatliche Unternehmen China Xinxing Medicine Corp. (Peking) haben ein Joint Venture für den Vertrieb von Pharmazeutika in China gegründet. Das neue Unternehmen, Zuellig Xinxing Pharmaceutical Co. (Peking), ist Angaben zufolge das erste Pharma-Vertriebsunternehmen in China mit einer ausländischen Muttergesellschaft.

 

·        Zum 1. April 2004 wird Stefan Sommer die neu geschaffene Position des Corporate Vice President bei DSM China (Heerlen, Niederlande; www.dsm.com) übernehmen. DSM, das derzeit etwa 14% oder 300 Mio. Euro seiner Umsätze in Asien erzielt, erwartet, diese Zahl bis zum Jahr 2008 dank der Nutzung bedeutender Möglichkeiten für seine verschiedenen Unternehmensbereiche einschließlich Pharmazeutika und Lebensmittel zu verdoppeln.

 

·        Rhodia (Boulogne-Billancour, Frankreich; www.rhodia.com) schließt sein Paracetamol-Werk in Luling, Frankreich, und lagert die Produktion an ein bestehendes Werk in Roussillon, France, und ein neues Multimillionen-Dollar-Werk in seinem Pharmakomplex in Wuxi, China, aus.   

Der Elektronik-Boom

 

Chinas Chiphersteller arbeiten auf Hochtouren, da sie sich nach einem globalen Einbruch auf dem Halbleitermarkt auf dem Wege der Erholung befinden, und sie weiten ihre Kapazitäten aus, um der boomenden Nachfrage des Landes nach allen Arten von Unterhaltungselektronik- und Industrieelektronikgeräten - von Automobilen und PCs über Handys bis hin zu Spielekonsolen - zu entsprechen. Seit 1991 ist Chinas Umsatz im PC-Bereich durchschnittlich um 40% pro Jahr gestiegen. Im Jahr 2000 lag er laut BOC Edwards (Crawley, UK; www.bocedwards.com), einem bedeutenden Lieferanten von ultrareinen Gasen und Ausrüstungen für die Herstellung von elektronischen Geräten, bei 8 Mrd. USD. Die Marktdurchdringung mit PCs liegt in China jedoch immer noch bei lediglich 2% gegenüber mehr als 50% in den USA und in Europa. Um Chinas unersättliche Nachfrage nach elektronischen Geräten zu entsprechen, errichten eine Vielzahl globaler Unternehmen emsig neue Halbleiter-Fertigungsstätten im Land. Voraussichtlich sollen mehr als 20 solcher Produktionsstätten bis zum Jahr 2007 in China ihren Betrieb aufnehmen.

 

Der monatliche Ausstoß der chinesischen Halbleiterunternehmen lag im Jahr 2003 bei über 100.000 Wafern je Monat und könnte bis zum Ende des Jahres 2004 170.000 Wafer übertreffen, sagt der Marktforscher für elektronische Geräte iSuppli (El Segundo, Kalifornien; isuppli.com) voraus. Asien treibt die Expansion der globalen Wafer-Industrie voran, wobei China am meisten „Gas gibt“. Der Anteil Chinas an der weltweiten Wafer-Kapazität wird voraussichtlich von 4% im Jahr 2004 auf 9% im Jahr 2007 anwachsen. Obwohl China derzeit noch nicht mit den bedeutenden internationalen Chipherstellern hinsichtlich Produktionsvolumen und Fertigungstechnologie konkurrieren kann, ist der leichte Zugang zu seinem aufkeimenden Inlandsmarkt für Halbleitergeräte Anreiz genug für ausländische Hersteller, Werke in China zu errichten oder die Produktion in die Halbleiter-Herstellungsbetriebe des Landes auszulagern. Diese schnelle Expansion der Fertigungskapazitäten für Halbleiter-Chips und elektronische Geräte in China spiegelt sich in hohem Maß darin wider, dass viele der weltweit führenden Lieferanten von ultrareinen Chemikalien und Gasen derzeit stark mit einer Ausweitung ihrer Kapazitäten in China und in den Nachbarländern beschäftigt sind:

 

·        BOC Edwards wird sämtliche Bulk-Gase, Bulk- und Spezialgas-Versorgungssysteme sowie Chemikalien- und Schlamm-Managementsysteme für ein neues Wafer-Fertigungswerk nahe Shanghai liefern. Damit steigt die Anzahl der bedeutenden Halbleiterhersteller, die von BOC Edwards in China beliefert werden, auf 10. Die meisten dieser Hersteller befinden sich im Raum Shanghai und Peking. Das Unternehmen hat kürzlich Nanjing Mucop Nanfen Special Gas Co. als einen Lieferanten für seine Spezialgase ausgesucht, die von der Halbleiter-, Forschungs- und anderen ausgewählten Industrien in Nordchina verwendet werden.  

·        Air Products (Allentown, Philadelphia; www.airproducts.com) wird sein ultrareines Produkt „White Ammonia“ und andere Spezialgase für die Herstellung elektronischer Geräte an Shanghai LanbBao Photoelectric Materials Co liefern. Darüber hinaus wird Air Products sein Gasguard High Flow System in Shanghai LanbBaos Werk in Songjiang, Shanghai, installieren, in dem GaN-basierende epitaxiale Wafers für LEDs hergestellt werden.

 

Air Products hat außerdem vor kurzem einen 15-Jahres-Vertrag für die Vor-Ort-Lieferung von Bulk-Gasen und Trockenreinluft für ein neues Wafer-Werk unterzeichnet, das SinoMOS Semiconductor in Ningbo, China, gehört und von diesem Unternehmen betrieben wird. Im Rahmen des Vertrags wird Air Products einen hochreinen Stickstoffgenerator liefern. Einer der Auftragnehmer von SinoMOS hat der San Fu Gases Co., die sich zu 70% im Besitz von Air Products befindet, einen separaten Auftrag über 31 Gasschränke und -Racks erteilt. Air Products geht davon aus, dass seine Handelstätigkeiten in der Region weiter zunehmen werden, wenn die Hangzhou Bay-Überseebrücke zwischen Shanghai und Ningbo fertiggestellt ist

 

In Korea hat Air Products einen Vertrag von Samsung (Seoul, Korea) über die Lieferung von Stickstoff, Sauerstoff, Stickstofftrifluorid, Ammoniak, Argon und Silan per Pipeline an Samsungs neuen (TFT-LCD) Produktionskomplex für Dünnschichttransistor-Flüssigkristallanzeigen in Tangjuong in Chung Cheong Nam-Do, Korea, erhalten. Air Products wird außerdem den zukünftigen Wasserstoff- und Helium-Bedarf des Unternehmens decken. Um das neue Samsung-Projekt zu unterstützen, baut Air Products zwei neue Werke am Standort Tangjung.

 

·        Praxair (Danbury, Connecticut; www.praxair.com) wird Argon, Helium, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Druckluft an das neue 300-mm-Halbleiter-Wafer-Werk von Semiconductor Manufacturing International (SMIC; Beijing) liefern, das derzeit in Beijing errichtet wird. Praxair wird dort einen Multiprodukt-Bulk-Gas-Produktions- und Lieferbetrieb einschließlich einer Luftzerlegungsanlage errichten, der voraussichtlich im Frühjahr 2005 in Betrieb genommen wird. Praxair und sein Partner, die Shanghai Maike Electronics Group, wurden mit der Lieferung von ultrareinen Gasen für Hua Hong (Werk 909), einem hochmodernen Halbleiter-Fertigungswerk, beauftragt.

 

In Korea hat Praxair einen Auftrag über die Lieferung von Helium und Wasserstoff per Pipeline an Samsungs neuen TFT-LCD-Komplex in Tangjuong in Chung Cheong Nam-Do, Korea, erhalten. Praxair wird außerdem den zukünftigen Bedarf an Stickstoff, Sauerstoff und Argon an Samsungs Standort decken. Praxair hat ein 18.000 m2 großes Grundstück neben dem Samsung-Komplex für die Errichtung der Helium- und Wasserstoff-Versorgungssysteme erworben. An diesem Standort werden zukünftig auch zwei Luftzerlegungsanlagen erbaut, die den Anlagen ähnlich sind, die Praxair derzeit an Samsungs Halbleiter-Fertigungswerken in Gihueng, Korea, und in Hwasung, Korea, betreibt.

 

·        Air Liquide (Paris; www.airliquide.com) ist von ASMC, einem chinesischen Halbleiterhersteller, mit der Lieferung aller ultrareinen Gase und Spezialgase sowie der Gas- und Chemikalien-Versorgungssysteme für ASMC drittes Werk in Shanghai beauftragt worden. Die neue Fabrik zur Herstellung von Silizium-Germanium-Wafern hat im Mai 2003 ihren Betrieb aufgenommen und wird Ihre volle Kapazität von 30.000 Wafern/Monat voraussichtlich im Jahr 2005 erreichen.

 

Weitere Informationen: www.achemasia.de 

 

Dieser Trendbericht wurde von internationalen Fachjournalisten zusammengestellt. Die DECHEMA ist nicht verantwortlich für unvollständige oder falsche Informationen.


© DECHEMA e.V. 1995-2009, Last update am 15.07.2008 von Claudia Rinck