- Chancen für ausländische Anbieter von Prozessausrüstungen
- Anorganische und organische Basischemikalien machen die Hälfte des Gesamtumsatzes aus; Kohle immer noch wichtiger Rohstoff in der Chemie
- Größte Investitionen in Petrochemie und Ethylenerzeugung
Moderne Technologien, Erneuerung und Expansion der aktuellen Kapazitäten schaffen die Grundlagen für Chinas Entwicklung zu einer weltweit wettbewerbsfähigen Wirtschaft. In der chemischen Industrie, bei den Petrochemikalien und Pharmazeutika, in der Nahrungsmitteltechnologie, der Biotechnologie und im Bereich des Umweltschutzes besteht ein enormer Bedarf an Ausrüstungen, Technologie und Know-how. Die Maschinenbau- und Chemieausrüstungs-Industrie profitieren bereits von diesen Trends. Die ACHEMASIA 2004 bietet eine bedeutende Plattform, auf der sich Vertreter der chinesischen Prozessindustrie und ausländische Lieferanten von Ausrüstungen und Technologie begegnen und Erfahrungen austauschen können. Zur ACHEMASIA vom 11. bis 15.Mai in Beijing/VR China werden mehr als 400 Aussteller aus 25 Ländern und 20.000 Besucher erwartet.
Chinas chemische Industrie hat hinsichtlich Größe und Wachstum Weltformat und trägt mit beeindruckenden 10% zum BIP der Volksrepublik bei. Die Umsätze beliefen sich im Jahr 2002 auf 721Mrd.RMB, was einer Steigerung um 15,7% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Derzeit wächst das Gesamtproduktionsvolumen der chemischen Industrie in China mit 8 - 9% pro Jahr.
Anorganische und organische Basischemikalien machen 48% der Gesamtproduk-tion aus. Die Nachfrage nach einigen auf Kohle basierenden Chemikalien ist immer noch groß, wozu hauptsächlich die Düngemittelindustrie beiträgt. Ebenfalls von Bedeutung sind Petrochemikalien und Erdgas (20%), Pharmazeutika (17%) und Chemiefasern (9%).
Es gibt mehrere zehntausend Chemieunternehmen in China, wovon mehr als 10.000 Joint Ventures sind. Etwa 30Mrd. USD werden jährlich in die chemische Industrie investiert, der Anteil ausländischen Kapitals beträgt 55–60%. Auf dem Markt sind etwa 80, unter Berücksichtigung der Petrochemikalien und Fasern
137 Grundchemikalien erhältlich. Die Im- und Exporte nehmen rasch zu, wobei sich die Importe im Jahr 2001 auf 32,8Mrd. USD (14% des BIP), die Exporte auf 19,5Mrd. USD beliefen. Die Leistungsfähigkeit in der Chemieproduktion in China ist bereits jetzt enorm (siehe Tabelle 1).
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Produkt |
2001 (10.000t/Jahr) |
2002 (10.000t/Jahr) |
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Düngemittel |
3396 |
3665 |
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Schwefelsäure |
2651 |
2967 |
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Natriumcarbonat |
906 |
1018 |
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Natriumhydroxid |
738 |
823 |
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Benzol |
199 |
213 |
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Methanol |
206 |
211 |
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Essigsäure |
86 |
84 |
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Ethylen |
480 |
541 |
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Kunstharze |
1204 |
1366 |
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Synthetische Fasern |
427 |
493 |
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Synthetischer Kautschuk |
105 |
116 |
Tabelle 1: Produktionsmenge der führenden chemischen Produkte Chinas in 2001 und 2002
Ein wichtiger Faktor dieser rasanten Entwicklung sind Auslandsinvestitionen sowohl in die im ausländischen Besitz befindlichen Anlagen als auch in Joint Ventures. Europäische Investoren sind in dieser Branche erfolgreicher als US-amerikanische und japanische Firmen.
Ein Großteil der Investitionen konzentriert sich in Chemieparks, die von örtlichen Ressourcen und der Infrastruktur gemeinsam profitieren. Dennoch haben viele chinesische Chemieparks einiges ihrer früheren Dynamik verloren und würden von einer Wiederbelebung profitieren. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Projekt ist der Caojing Chemical Park in Shanghai. Investoren bauen hauptsächlich im weiter entwickelten Südosten des Landes neue Anlagen, insbesondere in den Changjiang- und Zhujiang-Deltas. Dagegen bleibt der Großteil des mittleren Westens Chinas von der chemischen Industrie ungenutzt.
Struktur der Industrie
Einen aktuellen Überblick über die Struktur der Industrie sowie deren Veränderung gibt der Bericht Analysis of the Economics of the Petrochemical and Chemical Industry in China. Danach gab es im Jahr 2002 14.985 petrochemische Unternehmen, sowohl staatliche als auch private, die jeweils mehr als 5Mio.RMB umsetzten. Diese Betriebe erzielten mit einer Steigerung von 14,7% gegenüber 2001 einen Gesamtumsatz von 469.754Mio.RMB. Zudem gab es 13.930 chemische Unternehmen außerhalb des petrochemischen Sektors, die einen Gesamtumsatz von 187.662Mio.RMB erwirtschafteten mit einem Plus von 16,8% gegenüber dem Vorjahr.
Nahezu jeder Bereich der chemischen und zugehörigen Industrien legte im Jahr 2002 um 14% oder mehr zu. Die größten Wachstumsraten wurden bei den Basischemikalien (17%), den organischen Chemikalien (16%), beim Kautschuk (17%), im Bergbau (22%) und bei den Spezialchemikalien (23%) verzeichnet.
Der 2002 mit Produkten der Petro- und chemischen Industrie erzielte Gesamtumsatz belief sich mit +8,8% gegenüber 2001 auf 1.458.692 Mio.RMB. Die chemische Industrie war an der Hälfte dieses Umsatzes beteiligt (721.604 Mio.RMB, ein Zuwachs von 15,7% im Vergleich zu 2001).
Die wichtigsten Provinzen für die chemische Industrie sind Jiangsu, Shandong und Guandong, deren Anteile sich im Jahr 2002 auf 19%, 13% bzw. 9% beliefen.
Das Gesamtvolumen der Chemikalienimporte des Jahres 2002 betrug 41.169 Mio.USD - eine Steigerung um 26% gegenüber 2001. Das Exportvolumen erhöhte sich gegenüber 2001 um 14% auf 21.007 Mio.USD.
Im Jahr 2002 gab es 3.346 staatliche Chemieunternehmen, während es im Jahr 2001 noch 547 Betriebe mehr waren. Der Anteil dieser Unternehmen an der Gesamtproduktionsleistung der Industrie ging um 3% auf 45% zurück. Die staatlichen Betriebe sind jedoch immer noch führend unter den chinesischen Chemikalienherstellern.
Das staatliche Kapital in chemischen Unternehmen im Jahr 2002 beträgt etwa 64%, das ausländische etwa 17% des Gesamtkapitals. Der Hauptteil ausländischen Kapitals fließt in kleinere Werke und hochwertige Produkte wie etwa Feinchemikalien, so dass die Aufteilungen in den verschiedenen Industriezweigen unterschiedlich sind.
Im Jahr 2002 gab es 14.527 große erdölverarbeitende und chemische Anlagen, von denen 787 als sehr groß eingestuft wurden. Diese großen Werke entsprechen 5,4% aller chemischen Anlagen, halten jedoch 71% des Kapitals und erwirtschaften 66% des Umsatzes und 80% der Gewinne in diesem Sektor. Die 1.311 mittelgroßen Betriebe machen 9–10% der Industrie, des Kapitals und des Umsatzes aus, die verbleibenden 85% aller Werke wurden als klein eingestuft.
Die Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz des sehr schnellen Wachstums bestehen einige Probleme, die im Folgenden an Beispiele aus den verschiedenen Sektoren der Prozessindustrien dargestellt werden.
Düngemittel
Die chinesischen Phosphor- und Kaliumressourcen reichen nicht aus, um den landwirtschaftlichen Bedarf des Landes zu decken. So müssen große Mengen dieser Mineralien aus dem Ausland importiert werden. Derzeit werden Düngemittel in großen Mengen von zahlreichen Kleinbetrieben hergestellt, die ineffizient arbeiten und zu viel Energie verbrauchen. Die Produktion beschränkt sich außerdem auf Basis-Düngemittel. Die Entwicklung und Produktion anderer Typen wie etwa hochkonzentrierte, gemischte, zweckgebundene und Mehrzweck-Düngemittel gestaltet sich schwieriger.
Petrochemikalien
Obwohl die Petrochemie (einschließlich Ethylen) mittlerweile über eine solide Grundlage in China verfügt, hinkt dieser Sektor im weltweiten Vergleich mit industrialisierten Staaten noch hinterher. China produziert derzeit etwa 5 MillionenTonnen Ethylen pro Jahr, verbraucht aber fast das Doppelte. Kleine Anlagen in China machen die Ethylen-Industrie äußerst ineffizient.
Organische Chemikalien
Organische Chemikalien werden in großem Stil importiert - etwa 16,2 Millionen Tonnen in 2001 (24,6% mehr als 2000) zu einem Preis von 8,9Mrd. USD. Zu den wichtigsten Importen zählen Propylen, Benzol, Toluol, Methanol, Butanol, Octylalkohol, Glykol, Essigsäure, Acrylsäure, Acrylat, Methylethylketon, Phenol und Anhydride, ebenso wie Monomere, darunter Styrol, p-Xylol und PTA.
Die chinesischen Herstellungsbetriebe für organische Chemikalien sind zu klein und meistens auch zu alt, um auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können. Ein Methanolwerk beispielsweise müsste mindestens 300.000t/Jahr erzeugen, um wettbewerbsfähig zu sein. Viele chinesische Methanolwerke produzieren jedoch nur 10.000t/Jahr. Die Folgen sind Produktionskosten, die häufig höher als die Kosten für Importe sind. Viele chinesische Betriebe wurden daher geschlossen.
Polymere und Fasern
Obwohl China im Jahr 2000 7,9 Millionen Tonnen Kunstharz hergestellt hat, deckte dies nur die Hälfte der Nachfrage, der Rest mußte importiert werden.
Der Bereich der synthetischen Fasern hat sich in den 90er Jahren rasch entwickelt, wobei Polyester, PAN, PP und Polyamid den Löwenanteil der Produktion ausmachen. Mit einer Produktionsmenge von 7,6 Millionen Tonnen synthetischer Fasern pro Jahr ist China mittlerweile einer der weltweit größten Hersteller. Trotz dieser Tatsache bleiben die chinesischen Produkte hinter den Marktanforderungen zurück, und ihre Palette an Spezial- und Qualitätsfasern ist zu klein.
Chinas 15 Fabriken für synthetischen Kautschuk beispielsweise verfügen gemeinsam über eine Kapazität von 1 Millionen Tonnen/Jahr, produzieren jedoch hauptsächlich Styrol-Butadien- (SBR) und Butadien-Kautschuk (BR), während sie nur sehr wenig synthetischen Hochleistungs-Kautschuk herstellen.
Feinchemikalien
Die Feinchemikalienindustrie in China ist über 50 Jahre alt und fertigt derzeit mehr als 30.000 verschiedene Produkte. China ist der weltweit größte Produzent von Farbstoffen und der zweitgrößte Produzent von Pestiziden sowie von Mischfutter für Tiere. Den Feinchemikalien mangelt es jedoch an Qualität und Vielseitigkeit. Nicht nur die Preise sondern auch die Qualität der Exporte sind niedrig, und das Land ist immer noch in hohem Maß von Importen abhängig.
Es gibt über 10.000 Herstellungsbetriebe für Feinchemikalien in China. Die meisten Unternehmen sind jedoch in Bezug auf wissenschaftliche Forschung und Umweltmanagement so rückständig, dass sie kaum eine Chance im internationalen Wettbewerb haben. Der Status viele Fabriken reicht gerade mal über den einer Hinterhofwerkstatt hinaus. Die Feinchemikalienindustrie verwendet Techniken und Ausrüstungen von einem Technologiestand, den die Industriestaaten bereits vor 15–20 Jahren erreicht hatten. Hydrierung, Sulfonierung mit flüssigem Schwefeltrioxid und kontinuierliche Nitrierung werden noch nicht in großem Maßstab eingesetzt. Die Nutzung von Automatisierungstechniken oder dezentralen Steuerungssystemen ist auch in keinster Weise mit der industrialisierter Länder vergleichbar.
Viele aus neueren Technologiebereichen stammende Produkte wie funktionale Polymere, feinkeramische Erzeugnisse, Flüssigkristalle, Chemikalien für die Informationstechnik und Nanomaterialien sind nur selten in der chinesischen Produktionslandschaft zu finden.
Zukunftsaussichten
Chinas chemische Industrie sollte mehr hochkonzentrierte Düngemittel einschließlich DAP (Di-Ammonium-Phosphat)- und NPK (Basis Kaliumchlorid und Kalimsulfat-Verbunddüngemittel entwickeln, um viele seiner mittelgroßen Düngemittelfabriken zu stärken. Große Düngemittelanlagen sollten in Regionen errichtet werden, die über ein hohes Erdgas-, Schwefel- und Phosphorvorkommen verfügen.
Die petrochemische Industrie und insbesondere die Ethylen-Produktion werden stark gefördert, da sie von nationalem wirtschaftlichen Interesse sind, und haben daher in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Er wurden Maßnahmen ergriffen, um die Gesamtjahresproduktionsmenge an Ethylen auf 9 Millionen Tonnen/Jahr zu erhöhen und die Ethylen-Selbstversorgung von 43% auf etwa 60% zu steigern. Die chinesische Regierung fördert Auslandsinvestitionen in große Ethylen-Werke, von denen viele bereits errichtet worden sind. So wurden bereits die neuen Ethylen-Werke von Nanjing Yangzi/BASF (800.000t/Jahr), der Shanghai Petrochemical Company/BP (900.000t/Jahr) und der Huizhou National Offshore Oil Corp./Shell (600.000t/Jahr) in Betrieb genommen. Einige andere Werke wie etwa das der Fujian Petrochemical Company/Exxon, der Tianjin Petrochemical Company/Dow und von Lanzhou Petrochemical/Phillips befinden sich noch in der Planungs- oder Bauphase.
Bei den organischen Chemikalien ist es an der Zeit, veraltete Verfahren wie etwa die Nutzung von Alkalisalzen zur Herstellung von Phenol und von Gärungsprozessen für die Aceton- und Butanol-Produktion zu ersetzen. Organisch chemische Produkte auf petrochemischer Basis herzustellen ist empfehlenswert, gleichzeitig ist jedoch eine Basis auf Kohle nicht zu unterschätzen. China verfügt über riesige Kohlereserven, mit denen sich beispielsweise Wassergas (Kohlenmonoxid plus Wasserstoff) herstellen läßt, welches Rohstoff für Methanol und Essigsäure ist. Die Biotechnik verdient ebenfalls größere Beachtung für die Herstellung von Ethanol und Propylenglykol.
Polymere gehören zu den wichtigsten chemischen Produkten, die derzeit in China hergestellt werden. Sowohl Kunstharze als auch Chemiefasern werden dringend und in großen Mengen benötigt. Die Entwicklung von höherwertigen Polymeren wie Epoxydharze, ungesättigte Polyester, Polyurethane, Silicone und Formaldehydharze ist besonders wichtig. Diese müssen stärkere Anwendungen in Branchen wie der Verpackungsindustrie, der Landwirtschaft, der Elektroindustrie, der Architektur und der Kraftfahrzeugindustrie finden.
Die Feinchemikalienindustrie sollte sich mehr auf Produkte konzentrieren, die nur in kleinen Mengen benötigt werden und nichts desto weniger wichtig für die Volkswirtschaft sind. Beispiele hierfür sind Methionin, Lysin, Pantothensäure, Calcium, Vitamin E, A und D, L-Milchsäure, Behensäure, Nukleinsäure, künstliche Süßstoffe, neue Enzyme, biologisch abbaubare Polymere, höhere Fettsäuren und neue biotechnologisch hergestellte Pestizide. Die Entwicklung in diesem Sektor sollte sich auf die Verstärkung der wissenschaftlichen und technologischen Basis des Landes insbesondere im Bereich der chemischen Verfahrenstechnik konzentrieren.
Im Anhang „China’s chemical industry under construction, classified by the sort of industry“ sind Kennzahlen neuer Projekte wie Investitionssummen und Ausführungsdauer aufgelistet.
Weitere Informationen: www.achemasia.de
Dieser Trendbericht wurde von internationalen Fachjournalisten zusammengestellt. Die DECHEMA ist nicht verantwortlich für unvollständige oder falsche Informationen.
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